Sanierungsträger Pro Potsdam

Quartier Neuer Markt | Plantage

Das Quartier zwischen Plantage und Neuem Markt umrahmt von den Straßenzügen Yorckstraße, Dortustraße, Breite Straße, Werner-Seelenbinder-Straße und Sievertstraße gehört zu den ältesten Teilen der Potsdamer Innenstadt. Die ehemals sumpfige Niederung wurde durch einen Abzugsgraben, den später befestigten Stadtkanal entwässert und so bebaubar gemacht. Nach der Fertigstellung des Stadtschlosses in den 1660er Jahren wurde das Areal Bestandteil der barocken Stadterweiterung und beherbergte fortan Einrichtungen für den Hof und das Militär, wie Marstall, Pferdeställe, Reithalle, Pferdelazarett, Garnisonkirche, Plantage mit Exerzierplatz sowie repräsentative Gebäude für Bedienstete des Hofes.



Der Lange Stall entstand 1734 als ein schmuckloser Fachwerkbau mit einem östlich angrenzenden Reit- und Exerzierplatz. Aufgrund der Konstruktion und Dimension seines Daches, ein ca. 170 m langes 12 m hohes Satteldach, war das Gebäude ein markanter Punkt der Potsdamer Stadtlandschaft. Nur der südliche Kopfbau des Langen Stalls wurde nachträglich als repräsentativer Portalbau nach dem Vorbild von Palladios Loggia im Garten Valmarana in Vicenza, errichtet. Im Norden vervollständigte das 1776 errichtete Brockesche Palais das Quartier.

Die Plantage wurde 1850 nach Plänen von Peter Joseph Lenné umgestaltet und wurde so vom Exerzierplatz zu einer großzügigen Grünfläche gegliedert durch ein Wegekreuz und eingefasst mit Linden.

Nach den Zerstörungen des 2. Weltkrieges wurde die Garnisonkirche abgerissen, der Stadtkanal verfüllt, die Breite Straße zu einer überdimensionierten Verkehrsmagistrale ausgebaut und der Bereich zwischen Neuem Markt und Dortustraße städtebaulich stark überformt. So entstanden das Rechenzentrum und die Hauptfeuerwache Potsdams. Das städtebauliche Ensemble des Neuen Marktes als eine der am besten erhaltenen barocken Platzanlagen Europas ist mit Ausnahme des Gebäudes Am Neuen Markt 3 bereits wieder vollständig hergestellt. Die Bauten von Knobelsdorff, Unger und Gontard wurden liebevoll restauriert und bilden mit ihrem ganz eigenen Flair eine bezaubernde Kulisse für zahlreiche Kulturveranstaltungen.

Der Bereich soll zukünftig zu einem lebendigen innerstädtischen Wohnquartier mit ergänzenden gewerblichen und öffentlichen Nutzungen entwickelt werden. Voraussetzung für diese Entwicklung war die bereits erfolgte Verlagerung der Feuerwache an den neuen Standort in der Holzmarktstraße und ist weiterhin der Abbruch des Rechenzentrums und der alten Feuerwehrgebäude. Planungsrechtlich wird diese Entwicklung durch die Aufstellung des Bebauungsplans Nr. 1 "Neuer Markt/Plantage" gesichert. Er sieht größtenteils eine Mischgebietsnutzung vor. Das heißt, hier werden Wohnen und Gewerbe gleichermaßen angesiedelt. Es ist vorgesehen, einen Neubau an Stelle des Langen Stalls und ergänzende Gebäude im Blockinneren zu errichten. Die historische Platzanlage der Plantage soll neugestaltet werden. Die städtebauliche Neuordnung und Neubebauung dieses Quartiers orientiert sich am historischen Stadtgrundriss und lässt mit neuen, vielfältigen Nutzungen ein lebendiges Stadtquartier entstehen.

Für die Neubebauung des Grundstückes historischer Langer Stall entlang der Plantage und den Blockinnenbereich wurde 2012 ein städtebaulicher Ideenwettbewerb ausgelobt. Als Sieger ging der Entwurf des Architekturbüros Stephan Höhne hervor, welcher nun die Grundlage für die Neubebauung auf dem nördlichen Abschnitt, der sich bereits im Bau befindet, bildet.



Im Jahr 2014/2015 wird ein Realisierungswettbewerb für die Plantage durchgeführt. Die Plantage soll als öffentliche Grünfläche die Elemente der historischen Gestaltung aufnehmen und zeitgemäß interpretieren. Die Fläche dient zusammen mit dem Stadtplatz an der Garnisonkirche der innerstädtischen Erholung für Anwohner und Besucher.


Die Breite Straße wurde zwischen Dortu- und Schloßstraße neu gestaltet. Insbesondere für die Fußgänger und Radfahrer ist der Stadt- bzw. Straßenraum nun attraktiver und sicherer. Großzügige Gehwege wurden mit Granitpflaster befestigt und 42 Linden neu gepflanzt. Die Breite Straße wurde damit wieder zu einer innerstädtischen Allee.



» Abb. oben: Neuer Markt 1-4, Portal Kutschpferdestall 
(Sanierungsträger Potsdam, Foto: B. Peseke)


» Entwurf Bebauungsplan Nr. 1 „Neuer Markt/Plantage“ 
(Stand: 23. Juli 2013)


» historisches Luftbild Plantage, Postkarte um 1917 
(Potsdam-Museum)