Sanierungsträger Pro Potsdam

Integriertes Leitbautenkonzept

Mit der Entscheidung zum Neubau des Brandenburgischen Landtages am Standort des Stadtschlosses wurde der entscheidende Impuls zur Wiedergewinnung der Potsdamer Mitte gegeben. Der Blick von der Nikolaikirche verdeutlicht die städtebaulichen Konsequenzen, die mit dem Neubau des Landtages verbunden sind. Diese Bebauung prägt das Umfeld, die gesamte Fläche zwischen Altem Rathaus mit Knobelsdorff-Haus, der Alten Fahrt, dem Havelufer und dem heutigen Fachhochschulkomplex mit dem Veränderungspotenzial bis zum Platz der Einheit. 

Das Integrierte Leitbautenkonzept ist ein wichtiger Bestandteil der integrierten Entwicklungsstrategie für die historische Mitte. Es legt den Rahmen für die Gestaltung in diesem Raum verbindlich fest. 

Bestandteil des Gestaltungsrahmens sind ein Verkehrskonzept, eine Nutzungsstrukturanalyse und ein Verfahrensvorschlag zur Ausschreibung der Grundstücke im Bereich Havelufer/Alte Fahrt und im Bereich Friedrich-Ebert-Straße/Schloßstraße ergänzt.

Die Stadtverordnetenversammlung hat das Integrierte Konzept zum Wiederaufbau der Potsdamer Mitte am 1. September 2010 bestätigt. Da es hohen fachlichen Ansprüchen genügen musste, wurden während der Bearbeitung ein Expertenworkshop (20. März 2010) und eine öffentliche Diskussion im Stadtforum (15. April 2010) durchgeführt. Dabei ist ein hohes Maß an Bürgerbeteiligung ausdrücklich gewollt, denn Potsdams Mitte braucht für ihre Vitalität große Akzeptanz und Konsens. Vor diesem Hintergrund ist die Diskussion um die Rekonstruktion verlorengegangener Bauwerke und Platzbilder auch eine Diskussion über die Sicherung und Zurückgewinnung von städtischer Identität. Sie ist zugleich eine Gratwanderung. Die Möglichkeiten dabei sind vielfältig: 

» historisch getreue Rekonstruktion aller Fassaden und der inneren Struktur des Gebäudes, möglichst unter Verwendung geborgener Bauelemente 

» Neubau unter behutsamer Aufnahme von Maßstäblichkeiten, Betonung bzw. Wiederaufnahme wichtiger Blickbeziehungen unter Zuhilfenahme neuer Formen und Gestaltungsmerkmale 

» Neubau mit moderner Gestaltung 

Untersucht wurden insgesamt 13 potenzielle Leitbauten. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass einzig der Palast Barberini (nur das Vorderhaus zum Alten Markt) vollständig historisch rekonstruiert werden kann. Nur bei diesem Gebäude ist die architektonische, kunsthistorische und städtebauliche Qualität sowie die historischen Unterlagen so vollständig vorhanden, dass eine originalgetreue Rekonstruktion möglich ist. Bei insgesamt sieben Gebäuden entschied man sich für die Rekonstruktion der historischen Fassade, darunter die Palazzi Chiericati und Pompei sowie der Plögersche Gasthof. Für weitere Gebäude formuliert das Integrierte Leitbautenkonzept Gestaltungsvorgaben.

Bei der intensiv geführten Diskussion über historische Rekonstruktion ist zu beachten, dass sich die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Voraussetzungen sowie die Ansprüche an die Nutzungen gegenüber denen vor der Zerstörung der Potsdamer Mitte gewandelt haben. Dennoch wird es möglich sein, eine neue Mitte zu schaffen, die zur anerkannten und überzeugenden Gesamtgestalt zurückfindet, wenn die Planungen die Besonderheiten und differenzierten Wertigkeiten des in Jahrhunderten Gewachsenen berücksichtigen.

 

Konkretisierung Leitbautenkonzept für die Blöcke III und IV

Für die sogenannten Blöcke III und IV im Bereich des nunmehr abgebrochenen Fachhochschulgebäudes am Alten Markt wurde das integrierte Leitbautenkonzept konkretisiert.

Insgesamt entstehen im südlichen Block III 14 und im nördlichen Block IV 15 neue Gebäude. Unter Beachtung innenstadttypischer, architektonischer Gestaltungselemente werden 23 der insgesamt 29 Gebäude in zeitgenössischer Architektursprache entstehen. Eine besondere Betonung liegt auf den Eckgebäuden. Drei von ihnen sollen durch besondere Elemente an ihre Vorgängerbauten erinnern, dabei aber dennoch zeitgenössisch auftreten - so zum Beispiel das südöstliche Gebäude der sogenannten "Acht Ecken". Weitere drei Gebäude werden auf Grundlage vorhandener Bauakten und Fotografien als äußere Hülle die Fassade der historischen Vorgängerbauten erhalten, darunter der "Plögersche Gasthof" an der Friedrich-Ebert-Straße. Parallel zu den bauhistorischen Forschungen wurden die Grundstücksvergabe sowie das Bebauungsplanverfahren vorbereitet.

Es entsteht ein neues Karree mit überwiegender Wohnnutzung, die durch Einzelhandel, Gastronomie und Gewerbe ergänzt wird. Die Grundstücksgröße orientiert sich an der historischen Parzellierung.

Die Entwicklung der beiden Blöcke erfolgt in Stufen. Nachdem nun für den Block III alle Bau- und Nutzungskonzepte gefunden wurden, wird in einer nächsten Stufe das Bieterverfahren für den Block IV vorbereitet.

 

 

» Abb. oben: Luftbild Sanierungsgebiet Potsdamer Mitte, 2005 
(Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg)


» Untersuchungsbereich Integriertes Leitbautenkonzept für die Potsdamer Mitte, Jan. 2010 
(Sanierungsträger Potsdam, Grafik: A. Stadler)