Sanierungsträger Pro Potsdam

Alter Markt & Plätze

Der Alte Markt war einst einer der schönsten Plätze Europas heißt es immer wieder. Er bildete zusammen mit dem Steubenplatz das Zentrum der Stadt Potsdam. Die Bombardierung Potsdams 1945, der Abriss der Reste des Stadtschlosses 1961 und die anschließende Überbauung vor allem mit ausgedehnten Verkehrsflächen haben das historische Zentrum zerstört und dem Alten Markt das städtische Leben entzogen. Durch das Fehlen der südlichen, nördlichen und westlichen Platzbegrenzung hat der Alte Markt seine räumliche Fassung verloren. Die Nikolaikirche verlor mit dem Bau von Fachhochschule und Staudenhof 1977 ihre herausragende Position auf dem Alten Markt und wurde an den Platzrand gedrängt.

Von Herbst 2003 bis Frühjahr 2004 wurde von der Landeshauptstadt Potsdam gemeinsam mit dem Sanierungsträger Potsdam ein landschaftplanerischer Ideen- und Realisierungswettbewerb durchgeführt. Von sieben spannenden Beiträgen aus Deutschland, Italien und Spanien wurde von einer unabhängigen Jury die Arbeit von Krafft-Wehberg, Berlin mit WES & Partner zum Sieger gekürt. Der Entwurf orientiert sich am historischen Vorbild und definiert zugleich in zurückhaltender und eleganter Weise die neue Mitte der Stadt. Die Platzfläche ist mit Großpflaster aus Granit gepflastert. Nur die Solitärbauten wie Nikolaikirche, Obelisk und der künftige Landtagsbau werden mit einem Plattenband gefasst und betont. Mit dem großen Fest zum Tag der deutschen Einheit im Jahr 2005 wurde der umgestaltete Alte Markt offiziell eingeweiht. Er wurde auf sein historisches Niveau, teilweise bis zu einem Meter, abgesenkt und neu gepflastert. Der Alte Markt bildet den Auftakt einer historischen Platzfolge. Wenn der neue Landtag errichtet, das Havelufer und das Fachhochschulareal neu bebaut sind, kann man der Platzfolge wieder vom Alten Markt, über den ehemaligen Steubenplatz, den in Teilen wieder entstandenen Acht-Ecken-Platz hin zu Neuem Markt und Plantage folgen und attraktive Stadträume entdecken.

Seit seiner Errichtung in den Jahren 1753 bis 1755 war der Obelisk auf dem Alten Markt ein zentrales Gestaltungselement des Platzes. Von Friedrich II. in Auftrag gegeben, schmückten ursprünglich vier Medaillons mit den Bildnissen des preußischen Königs und drei seiner bedeutenden Vorgänger die Säule. Doch schon kurz nach dem Abschluss der Arbeiten gab es erste Meldungen über Schäden. Wärmespannungen, Frost und Feuchtigkeit trieben das Bauwerk auseinander. Mehrmals musste der Obelisk repariert werden, ehe er im Zweiten Weltkrieg schließlich schwer beschädigt wurde. Ab 1978 wurde er neu errichtet, nur das fortan die Medaillons großer Baumeister die Seiten schmückten: Carl Philipp Christian von Gontard, Karl Friedrich Schinkel, Friedrich Ludwig Persius und Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff. Nachdem sich in den vergangenen Jahren die Hinweise auf neue Schäden am Obelisken gemehrt hatten, wurde die Säule abgetragen und ab März 2014 wieder neu aufgebaut. Dabei sorgen nun ein Kern aus Stahlbeton und auf Konsolen gelagerte, bewegliche Marmorblöcke dafür, dass schädliches Wasser aus dem Innern abgeleitet werden kann und die Lebensdauer des Obelisken deutlich steigt. Am 10. Oktober 2014 kehrten als erste Bestandteile des Figurenschmucks die Figuren der vier römischen Senatoren an den Sockel zurück. Im November 2014 wurde die Rekonstruktion endgültig abgeschlossen.

Ursprünglich verbanden die Ringerkolonnaden, die ihren Namen von den miteinander kämpfenden Figuren zwischen ihren Säulen haben, einst das Potsdamer Stadtschloss und den Marstall miteinander - ein Gegenstück hatten sie entlang der Wasserkante der Havel im Süden des Schlosses. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Kolonnaden beschädigt. Die Überreste standen über viele Jahre unweit der Anlegestelle der Weißen Flotte am Wasser. Weil sich ihr baulicher Zustand verschlechterte, mussten sie zunächst eingerüstet, später sogar die Figuren der Sicherheit wegen eingelagert werden. Im Jahr 2015 sollen die noch verbliebenden Säulen sowie die Figuren an den ursprünglichen Standort zwischen dem neuen Landtag und dem Marstall - heute Filmmuseum - zurückkehren.

Parallel zum Bau des neuen Brandenburger Landtages wurde das Umfeld des Baus neu hergestellt. Mehr als 7500 Quadratmeter wurden auf diese Weise mit dreifarbigen Natursteinen angelegt. Dazu gehört auch der etwa 2200 Quadratmeter große Teppich aus Granitplatten, der den Landtag als Solitär heraushebt. Zusammen mit dem Neuen Lustgarten und dem Vorplatzes des Filmmuseums bildet das Landtagsumfeld nun eine gestalterische Einheit. Als Bestandteil der Maßnahme wurde auch der Steubenplatz wieder angelegt und begrünt. Nach dem Abbruch der Fachhochschule und nach der Errichtung der in diesem Bereich geplanten historischen Quartiere wird auch das Denkmal des preußisch-amerikanischen Generals Friedrich Wilhelm von Steuben, das derzeit noch neben dem Filmmuseum steht, wieder auf den namengebenden Platz zurückkehren.

» Abb. oben Bild 1: Alter Markt, 2016 
(Landeshauptstadt Potsdam, Foto: R. Schnabel)

» Abb. oben Bild 2: Alter Markt und Nikolaikirche, 2014 
(Sanierungsträger Potsdam, Foto: S. Scholze)


» buntes Treiben am Alten Markt,1934 (Potsdam-Museum)


» Gesamtkonzept 1. Preis Landschaftsplanerischer Ideen- und Realisierungswettbewerb, 2004 (Krafft-Wehberg mit WES & Partner)

» Rückkehr der Senatoren des Obelisk (Sanierungsträger Potsdam, Foto: S. Scholze)

» Alter Markt, 2016 (Landeshauptstadt Potsdam, Foto: R. Schnabel)