Sanierungsträger Pro Potsdam

Garnisonkirche

Die Stadtsilhouette Potsdams wurde einst durch die Türme von Garnison-, Nikolai- und Heilig-Geist-Kirche bestimmt. Für die Breite Straße war die Garnisonkirche von besonderer städtebaulicher Prägnanz. Die nach Plänen Philipp Gerlachs errichtete Kirche galt als der bedeutendste Sakralbau des preußischen Barocks. 

Erbaut wurde sie 1731 bis 1735 als erste der evangelischen Kirchen Potsdams, die Friedrich Wilhelm I. errichten ließ. Die damals für Militärgottesdienste zur Verfügung stehende Schlosskapelle war nach dem Anwachsen der Garnison zu klein geworden und somit diente die Garnisonkirche königlichen Soldaten zu Gottesdiensten und später auch als letzte Ruhestätte des Königs Friedrich Wilhelm I. und auch für seinen Sohn Friedrich II. Dies allerdings gegen den letzten Willen Friedrichs II.

In den nachfolgenden Jahren wurde die Gruft der Garnisonkirche v.a. von Bewunderern Friedrichs II. besucht. So ließ Napoleon, aus Respekt vor Friedrich des Großen, wie Friedrich II. auch genannt wurde, nach dem Einmarsch der französischen Truppen in Preußen die Garnisonkirche unter seinen persönlichen Schutz stellen.

Für die Potsdamer Geschichte war die Kirche seither von Bedeutung. 1809 wurde die Amtseinführung des ersten frei gewählten Potsdamer Magistrats dort vollzogen.

Wie wechselvoll die Geschichte der Kirche ist, zeigt ein anderes Ereignis. Am 21. März 1933 kamen hier Reichspräsident Hindenburg und der neu gewählte Reichskanzler Hitler zusammen. Die Inszenierung eines Händedrucks beider, welcher die Verbindung zwischen Militär und Nationalsozialismus symbolisierte, ging als Tag von Potsdam in die Geschichte ein. Es war wohl der unrühmlichste Tag in der Geschichte der Kirche und der Stadt.

Kurz vor Kriegsende, am 14. April 1945 fiel die Kirche einem Brand infolge eines Bombenangriffs zum Opfer und wurde dabei stark beschädigt. Am 23. Juni 1968 wurde die Ruine letztendlich abgetragen und der Standort mit einem reinen Funktionsgebäude für das Rechenzentrum des Landes Brandenburg neubebaut.

Nach langen Auseinandersetzungen haben sich die evangelische Kirche und die Fördergesellschaft zum Wiederaufbau entschieden, nicht zuletzt, um auch die Rolle der ehemaligen Hof- und Militärkirche während der Zeit des Dritten Reiches aufzuarbeiten. Die Grundsteinlegung für den Wiederaufbau, der mit Spendengeldern finanziert wird, erfolgte am 14. April 2005, 60 Jahre nach der Bombardierung der Stadt. 

Im Februar 2010 hat die Landeshauptstadt das zukünftige Baugrundstück der Stiftung Garnisonkirche zur Verfügung gestellt. In 2013 wurde durch die Landeshauptstadt Potsdam die Baugenehmigung für den Wiederaufbau des Turmes erteilt. Ziel ist die Fertigstellung des Turmes zum 500-jährigen Jubiläum der Reformation in 2017.

» Abb. oben: Blick in die Breite Straße mit Garnisonkirche


» bautechnische Detailzeichnung, Kupferstiche nach Gerlach


» Grundsteinlegung Garnisonkirche, 14.04.2005 (Sanierungsträger Potsdam, Foto: D. Wetzel)